Schweinsteigers Gruß an Hoeneß: Geschmacklos oder guter Stil?

Uli Hoeneß ist im deutschen Fußball auch dann noch allgegenwärtig, wenn er im Gefängnis sitzt. Und es steht außer Frage, dass der langjährige Manager und Präsident des FC Bayern München einen prägenden Einfluss auf so gut wie alle Spieler im Klub hatte. Bei kaum einem hat Hoeneß allerdings so viel bewirkt, wie bei Bastian Schweinsteiger. Der hatte ohne jede Frage als junger Spieler ein gewaltiges Talent, doch fehlte ihm die richtige Einstellung zu seinem Beruf. Hoeneß vermittelte sie ihm – mal hart, mal zart, unterstützt insbesondere von Louis van Gaal und Jupp Heynckes.

Schweinsteiger sagt „Danke“
Der Spieler wollte es sich nicht nehmen lassen, „Danke“ nach dem WM-Sieg zu sagen und schickte via TV einen Gruß an Hoeneß ins Gefängnis. Es ist unbekannt, ob der ehemalige Bayern-Boss das Spiel und die folgende Botschaft von Schweinsteiger sehen konnte. Dieser hat jedoch in ein Wespennest gestochen, ob man Hoeneß so offen nach dem Finale danken dürfe. Die Diskussionen im Netz begannen so gleich. In einigen Medien findet man zudem sehr neutrale gehaltene Darstellungen des Vorgangs, um jede Wertung zu vermeiden. Denn Schweinsteiger ließ zudem durch eine ungeschickte Wortwahl („Wir kriegen diese schwierige Situation hin“) zudem seine Meinung über die Gefängnisstrafe von Hoeneß, gegen die dieser keinen Einspruch eingelegt hatte, durchblicken.

Fehler und Verdienste
Letztlich wird sich wohl nicht klären lassen, ob ein solcher Gruß angemessen war oder nicht. Hoeneß hat auf der einen Seite große Verdiente um Fußballer und Menschen. Auf der anderen Seite hat er krasser Form gegen das Gesetz verstoßen, was sich umso schlimmer auswirkte, weil er zuvor eine fast schon moralische Arroganz an den Tag gelegt hatte. Man kann beides allerdings nicht gegeneinander aufrechnen. Schweinsteiger hatte das Bedürfnis, einem Menschen, der viel für ihn getan hatte, trotz allem, seinen Dank auszudrücken. Vielleicht wäre es das beste, dies ohne weitere Wertung zu akzeptieren.